Mittwoch, 13. Mai 2015

Barfußgehen: So alt wie die Menscheit

Wer regelmäßig barfuß läuft, dem machen unterschiedliche Untergründe wie Steine oder Tannennadeln nichts aus. Für die Fußhaut ist es obendrein gesund.
Eingefleischte Barfußgeher schwören darauf, dass es für die Fußgesundheit nichts Besseres gibt. Bevor die Zivilisation anfing, die Füße einzuschließen und auf Schuhen zu betten, war das Barfußgehen normal. Doch die Menschen haben es verlernt. Schlimmer noch: Im Laufe der Zeit sind sogar eine Reihe von Mythen und Irrtümern entstanden.
Die als Sissi bekannte österreichische Kaiserin Elisabeth verärgerte ihren gesamten Hofstaat. Sie lief so gerne barfuß, dass sie mehrfach offizielle Gepflogenheiten ignorierte. Nach dem spanischen Zeremoniell etwa musste eine Kaiserin zu jeder festlichen Angelegenheit bei Hofe ein neues Paar Schuhe tragen. Mit ihrem Drang zum Barfußgehen folgte Sissi aber einem ganz natürlichen Impuls.
Über das Stoppelfeld
Sie hätte gerne getan, was vielen Menschen unmöglich erscheint und daher zum Mythos wurde: „Als Kind lief ich über ein Stoppelfeld, das kann ich heute nicht mehr.“ Das stimmt nicht. Der Kinderfuß ist zwar von Natur aus mit einer dickeren Lederhaut versehen und die Knochen sind noch nicht voll ausgebildet, aber auch Erwachsene können an der Fußsohle ihre natürliche Schutzhaut zurückbekommen. Die Leder- oder Sohlenhaut darf aber nicht mit der Hornhaut gleichgesetzt werden, was fälschlicherweise oft geschieht. Hornhaut bildet sich meist aufgrund von Reibung und Druck etwa durch unpassendes Schuhwerk oder falsche Belastungen. Diese Schutzschicht ist nicht durchblutet und kann einfach entfernt werden.
Vor Verletzungen geschützt
Barfußgeher haben mit der Hornhaut kaum ein Problem. Das Barfußgehen aktiviert die „Fußintelligenz“. Das bedeutet, dass die Wahrnehmung für den Fuß und den jeweiligen Untergrund zunimmt. Fehlstellungen oder unangenehme Belastungen werden auf diese Weise sofort ausgeglichen. Die Gefahren liegen eher in umherliegenden Gegenständen wie Glasscherben oder Nägeln sowie im Anschlagen an Kanten und Ecken. Doch auch hier ist ein geübter Barfußgänger weit weniger gefährdet, da der Fuß beim Gehen automatisch etwas höher angehoben wird und das darauffolgende Abrollen den Druck besser verteilt. Ein höheres Risiko für die Fußgesundheit entsteht dagegen durch das Tragen unpassender Schuhe. Hierdurch können Fußprobleme wie etwa ein Knick-, Senk- oder Spreizfuß sowie ein Hallux valgus oder ein Fersensporn die Folge sein.
Anfälliger für Krankheiten
Dem Barfußgehen wird auch nachgesagt, dass Blasen- und Nierenentzündungen häufiger auftreten, was aber ebenfalls nicht richtig ist. Die Erkrankungen entstehen durch Viren und Bakterien. Diese befinden sich permanent in unserem Körper und werden vom Immunsystem in Schach gehalten. Ist dieses schwach, kann eine Erkrankung ausbrechen. Das Barfußgehen stärkt eher das Immunsystem, da der Venenpumpeneffekt höher ist. Dieser ist für die Durchblutung und damit die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen wichtig. Der gleiche Effekt verhindert auch kalte Füße, die angeblich barfuß entstünden. An kalten Tagen oder bei Schnee können die unteren Extremitäten natürlich einmal frieren. Aber der Körper steuert automatisch mit mehr Bewegung dagegen, was den Venenpumpeneffekt steigert und wärmt.
Warzen und Fußpilz
Hartnäckig hält sich auch die Meinung, dass Barfußgehen das Fußpilzrisiko erhöht. Pilze gedeihen am besten in dunklem, windgeschütztem und feuchtwarmem Klima. Zu den Risikogebieten gehören daher zum Beispiel Bäder oder Schwimmhallen. Werden Pilze dort durch das Laufen aufgenommen und in Socken und Schuhe eingeschlossen, steigert es das Risiko einer Infektion – vor allem dann, wenn die Hautbarriere geschwächt ist und Erreger leichter eindringen können. Beim Barfußgehen schützen gleich zwei Effekte. Zum einen wird der Fuß permanent belüftet, sodass kein feuchtwarmes Klima vorherrscht, und zum anderen stärkt es die Hautbarriere, die vor dem Eindringen von Hautpilzen in tiefere Hautschichten schützt. Auf diese Weise schützt die Haut noch vor weiteren Gefahren, etwa vor Viren, die für die Entstehung von Warzen verantwortlich sind. Viele Mythen und Irrtümer lassen sich also widerlegen. Wer den natürlichen Gang fördern und wieder vermehrt barfuß gehen möchte, braucht Geduld. Um die Sohlenhaut zu stärken und sich daran zu gewöhnen, fast überall ohne Fußkleid umherlaufen zu können, kann es ein Jahr dauern: eine Investition, die sich aber langfristig lohnt.

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