Dienstag, 20. April 2010

Der Menschenfeind

Irreführender Titel, hervorragendes und zeitgemäßes Theater durfte ich erleben.


Célimènte ist eine rechte Partymaus. Sie flirtet gern, sie lässt sich gern umgarnen, sie spielt mit und ihre Welt ist die leichtlebige Gesellschaft von jungen Nichtstuern. Dabei liebt Célimène doch Alceste.

Auch Oronte ein Schönling und Politiker möchte bei Célimènte landen.
Der Regisseur und der Ausstatter haben die Pariser Gesellschaft komplett ins heutige Big Brother-Leben verfrachtet.

Alceste ist der ganze Partyklatsch höchst zuwider. Der Misanthrop liebt Célimène, die würde er am liebsten auf eine einsame Insel verschleppen. Célimène gibt eine vor Erotik sprühende junge Frau, sie hat dem verstockten Alceste zwar ihre Liebe gestanden, liebt ihn aufrecht - aber deshalb muss man ja nicht die andere verlockende, flimmernde Welt ringsum verzichten.
Alceste kann keine Kompromisse machen. Da gerät Alceste sehr schnell in den Strudel der Verzweiflung, seine Geliebte, höchst anziehend als erotisches Weib, aber höchst verabscheuungswürdig als Partymaus, stürzt ihn in den Abgrund der Widersprüche, der auch noch alle Schrecknisse der Eifersucht und Intrige für ihn bereit hält.

Alceste vermag es nicht, unter dem Geplänkel der Partygesellschaft die wahren von den falschen Worten zu unterscheiden.
Molière, von dem man sagt, er habe mit Alceste ein Selbstporträt geschaffen, hat denn ans Ende der Geschichte auch kein komödienhaftes Happyend gesetzt. Den Zuschauern jedoch wurde ein breiter " Spiegel" vorgehalten.